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Chefsache


Wer übrigens glaubt, diese Texte hier als seine eigenen ausgeben zu müssen (und das gilt insbesondere für aus Funk und Fernsehen bekannte „Comedians“), dem werden wir unverzüglich eine Horde von arbeitslosen Rechtsanwälten ohne Gewissen auf den Hals hetzen. Außerdem werden wir eine beispiellose und öffentliche Rufmordkampagne starten und die Herrschaften, wenn wir sie im Dunkeln treffen, zusätzlich grausamst missbrauchen, will heißen, wir werden ihnen Dinge antun, die sie sich a) in ihrer finstersten Phantasie nicht ausmalen könnten und die sich dann b) unter der Diagnose „Posttraumatische Belastungsstörung“ – wenn überhaupt - nur ganz schlecht und für viel Geld wieder richten lassen. Wohlhabende Verleger mit entsprechenden Offerten sind wiederum jederzeit willkommen.



Närrische Zeit

Neuerdings wache ich morgens immer exakt um 11:11 Uhr auf. Die psychologische Erklärung hierfür ist leicht: Ich wurde in Düsseldorf gezeugt, in Köln geboren und bin in Mainz aufgewachsen, da ist es klar dass sich mein Körper geben Ende Oktober in freudiger Erwartung auf die bald beginnende fünfte Jahreszeit rechtzeitig zu wecken versucht. Was mich allerdings stark verwundert ist die Tatsache, dass auch mein Wecker zu solch intelligentem Verhalten fähig ist. Er steht nämlich schon seit Tagen auf exakt 11:11 Uhr.


Extrawunsch

Keine Ahnung, was da sonst noch so drin ist. Aber bei meinem Stammitaliener bestellte neulich ein Gast „Tomatensalat mit möglichst wenig Tomaten.“


Kantinenerkenntnis

Der Erdbeerquark schmeckte schon nach Erdbeeren, aber eben nach diesen, die nach nichts schmecken.


Fragen an den Kummerkastenonkel 5:

Neulich wollte mein linkes Bein spazieren gehen, aber ich war zu faul. Da ging es allein und kam nicht wieder. Jetzt mache ich mir große Sorgen, dass ihm was zugestoßen sein könnte... Oliver Hasenfratz, Alzey

Kein Grund zur Sorge, entspannen Sie sich. Sie sind nur ein bisschen gestresst. Mein Rat, um den Kopf wieder frei zu bekommen: Gehen Sie jeden morgen eine halbe Stunde Joggen und fahren Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit. Dann stehen Sie bald wieder mit beiden Beinen im Leben.


Fragen an den Kummerkastenonkel 4:

Ich bin selbst Kummerkastenonkel bei einem Yellow-Blatt und muss mir auf Drängen meiner Redaktion die Fragen immer selbst ausdenken. Vielleicht könnten Sie mir ja mal eine Frage stellen... Dr. Winterfeld, München

Mir und meiner Frau gefallen Ihre Antworten immer so gut. Auch ich würde Ihnen gerne eine Frage stellen, doch fällt mir keine ein. Können Sie mir bitte eine schicken? Dr. Dornhöfer, Berlin


Fragen an den Kummerkastenonkel 3:

Ich habe gestern nach einem Streit meine Eltern aufgegessen. Seitdem leide ich an Schluckauf. Was kann ich dagegen tun? Gernot Neuffer, Rothenburg

Der Volksmund sagt: „Hast Du Schluckauf, dann denkt gerade jemand an Dich!“ Da Ihre Eltern bereits verdaut sind, scheiden sie aus. Im schlimmsten Fall denkt ein Polizist an Sie, im besten Fall ein guter Anwalt.


Fragen an den Kummerkastenonkel 2:

Mein Mann versteht mich nicht und ich würde mich gern zu einer Therapie in Ihrer Praxis anmelden. Doch habe ich aber Angst vor dem Phänomen, dass sich die Patientin im Laufe der Therapie in ihren Therapeuten verliebt... Helga Sauerwein, Berlin

Diesbezüglich kann ich Sie beruhigen. Ich schlafe grundsätzlich schon beim Erstgespräch mit meinen Klientinnen. Diese Form der Vorbeugung hat sich als äußerst effektiv erwiesen und wird zunehmend auch von meinen Kollegen durchgeführt – allerdings nicht in der Regel.


Fragen an den Kummerkastenonkel 1:

Mir scheint jeden Tag die Sonne so was von aus dem Arsch - ist das gefährlich? Klaus-Beppo Müller, Butzbach

Sie leiden, und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, an dem sogenannten Burnout-Syndrom. Einer schwerwiegenden Krankheit, wie sie sich kürzlich ja auch Jürgen Klinsmann in Kalifornien zugezogen hat. Das Hauptsymptom, die von Ihnen beschriebenen Schmerzen um den Anus, wurde erstmals 1963 von J.R. Cash in seiner Abhandlung „Ring of Fire“ beschrieben und führt, wenn es nicht sofort behandelt wird, zu schlimmen Folgesymptomen. Wenn es ganz dicke kommt, nämlich im Endstadium, droht sogar die Dehumanisierung - wie bei Michelle oder Sven Hannawald. Für Sie sehe ich da allerdings durchaus Licht am Ende des Tunnels. Setzen Sie sich öfter mal auf den Hosenboden und stellen Sie Ihre Ernährung auf Nachtschattengewächse um, dann werden Sie mindestens 100 Jahre alt.


Still!

Graphologen haben herausgefunden, dass Frauen, die jahrelang senkrecht unterschreiben - wahrscheinlich durch die damit einhergehende Fehlstellung des Kopfes - überzufällig häufig zu absurden Selbststillversuchen neigen.


Lightshow

In einen Verleihgeschäft für Film- und Fernsehtechnik drängelte sich vor einiger Zeit ungestüm ein leichenblasser Jüngling vor mich und verlieh seinem Aussehen mit der dringenden Bitte um „ zwölftausend Watt Tageslicht – und zwar unbedingt sofort“ ungleich authentischen Nachdruck.


Hygiene irgendwie

Beim Anblick am Strand duschender Menschen formulierte meine ansonsten sehr aufgeweckte Freundin neulich folgende (höchst abfällig intonierte) gesellschaftskritische Bemerkung: „Wozu zum Henker braucht man denn Strandduschen? Damit das Meer sauber gehalten wird?“


Haltbarkeitsproblem (Titanic)

In meiner Speisekammer riecht es zunehmend muffig, regelrecht faulig. Zwar bin ich der Ursache noch nicht vollends auf den Grund gegangen, aber es scheint vor allem dann der Fall zu sein, wenn ich mich in der Kammer befinde.


Betriebsblind

Meinen Rat, sich doch mit irgend einer - sonst wie abstrusen - Idee um Existenzförderungszuschüsse zu bemühen beherzigte ein Freund sogleich: In den nächsten 3 Jahren betreibt der Mann offiziell einen Autofellatio-Lieferservice.


Standhaft

Was meinen Testosteronwert betrifft – das vermutet jedenfalls meine Freundin – wäre eine Teilnahme an der Tour de France völlig ausgeschlossen.


Homezone (Titanic)

Mein neues Handy strotzt nur so vor Intelligenz: Wenn ich mich z.B. in meiner Stammkneipe um die Ecke befinde, erscheint auf dem Display automatisch „Zu Hause“.


Dick aufgetragen

Wenn man sich nach dem Einzug in ein neues Domizil nicht so recht für eine bestimmte Wandfarbe entscheiden kann, sinkt die Quadratmeteranzahl schon mal von 120 auf 90.


Sinnvoller Eingriff

Sogenannte Schnarchspitzen können eine Lautstärke von über 80 Dezibel erreichen. Das entspricht einem in unmittelbarer Nähe vorbeifahrenden LKW. Das Ganze kann für den Partner auf Dauer natürlich nicht gesund sein, so dass ich um einen Termin bei einem Spezialisten gebeten habe. Die hilfreiche, wenn auch schmerzhafte Operation lässt meine Freundin nun bald an sich durchführen.


WM-Nachwehen

Wann und wie ein Ball die Latte trifft, das entscheidet Hostess Mandy immer ganz nach Gefühl.


Name-Dropping

Inwieweit der Name „Einrichtungshaus Bosnien“ Kundschaft in selbiges lockt, sei mal dahingestellt.


Rütli-Effekt

Wenn das mit den Misshandlungen von Minderheiten und Außenseitern in unseren Schulen so weiter geht, steht es schlecht um die Erhaltung der deutschen Rasse.


Wieder arbeitslos

Seit ich dem Rat meines Arztes folgend nach dem Essen regelmäßig spazieren gehe - was mich immer ziemlich hungrig macht - komme ich praktisch zu nichts mehr.


Onanie gesünder als man denkt!

In den zivilisierten Ländern sterben zur Zeit etwa 90 Prozent aller Menschen im Bett. Wenn ich jetzt also mit jemandem in’s Bett gehe, ist das der sichere Tod.


Fatal genial!

Diese ununterbrochene Kreativität ist auf Dauer ganz schön anstrengend. Andererseits wäre ich ohne wohl nie auf die Idee gekommen, dass ich unter einem Burnout-Syndrom leiden könnte.


Geriatrische Gedanken

Meine Freundin trägt seit Wochen abends so eine Zähneweißmachschiene. Obwohl sie dadurch ja eigentlich noch schöner wird, erzeugt die Tatsache, dass sie beim Tatort nichts mehr sagt und bevor sie ins Bett kommt noch „die Zähne rausnehmen“ muss bei mir irgendwie ein unangenehmes antizipatorisches Gefühl.


Auf nach Malle

Auf meine Bitte, mir Arbeitslosengeld 1 zu genehmigen, damit ich „smooth durchs Leben flyern kann, aber trotzdem die nächsten 2 Jahre was rumkommt“, reagierte die Agentur für Arbeit prompt und - wie man sich denken kann – hochbürokratisch: Der Antrag wäre prinzipiell genehmigt, das Geld werde jedoch erst überwiesen, wenn ich meine Sozialversicherungsnummer nachgereicht hätte.


Stand by me

Alles was meine Freundin nach zehn Jahren Beziehung noch von mir will ist Sex. Ich finde es gemein, mich nur auf das Wesentliche zu reduzieren.


Kleingedrucktes

Vorsicht, liebe Allergiker, beim Verzehr von Erdnüssen der Marke Knabsi (z.B. Penny-Markt). Das Produkt kann nach Angaben des Herstellers „Spuren von Nüssen enthalten.“


Halbwahrheit (Titanic)

Das ganze Leben besteht nur aus Widersprüchen. Unter anderem


Sein fünfter Geburtstag: Dauerrausch, spitze Tunnel und Rückgratknipser

Wir schreiben das Jahr, für das ein anderer ein ganzes Drehbuch schrieb: 2001. An diesem Morgen jedenfalls war es selbst für Kopenhagen ungewöhnlich dunkel, denn es war mitten in der Nacht. Franky Houl, definitiv kein Erwachsener, wartete bei Seven Eleven auf einen Jugoslawen, der sich Helmut nannte und der ihm unbedingt und möglichst bald China White vorbeibringen musste. Er tarnte sein erwachsenes Vorhaben damit, dass er ausgiebig Kaugummi kaute und die Angestellte alle paar Minuten fragte, ob sie ihm ein Eis spendieren könne. Bevor er sie aus Langeweile tötete und danach auf unbeholfene Art versuchte, sich an ihr zu vergehen, um dann irgendwann entnervt (und ehrlichgesagt sexuell verunsichert) von ihrem Leichnam abzulassen. „Für Sex ist es also noch zu früh nehm’ ich an“, dachte sich der 4-jährige und außerdem hatte er langsam aber sicher andere Probleme als seine noch nicht existente Libido: ihm war kalt, ihm lief die Nase und ihm tat der Rücken weh. Er brauchte Heroin, oder irgendein anderes Opiat, das war klar, aber Helmut kam und kam nicht. Wahrscheinlich hatte er sich mit Frankys Geld aus dem Staub gemacht, sich selbst ein bisschen Schore besorgt und ließ sich jetzt zu Hause vor dem Fernseher gemütlich von einem seiner Zigeunermädels einen blasen. Mit Sicherheit sogar. Daher doppelte Gewissheit: Er würde Helmut umbringen (so oder so) und an seinem Geburtstag – der hatte soeben, wie er sich mit einem Blick auf die Uhr versicherte, begonnen - würde er vorläufig Turkey schieben müssen. Aus unerfindlichen Gründen jedoch ging es ihm plötzlich nicht schlechter, sondern besser. Viel besser sogar. Richtig gut. Er spürte sogar die unvergleichbar angenehme Form der Euphorie, die ein Süchtiger schon lange nicht mehr zu spüren in der Lage ist, weil sich sein Körper viel zu sehr an die Droge gewöhnt hat. „Leck mich am Arsch. Was ist denn jetzt los. Das törnt und törnt und törnt obwohl ich gar nix genommen habe. Geilo. Geilo. Geilo.“, schrie Franky glückselig und machte sich auf, um seinen Geburtstag zu feiern. Was er nicht wissen konnte, was er nie erfuhr und was auch sonst keiner weiß: Die Angestellte, die Franky ermordet hatte und von deren Blut er reichlich getrunken hatte, war der härteste Junkie der Welt. Sie war vollgepumpt mit Unmengen an reinstem Stoff. Sein kleiner Körper erfuhr so eine Oberüberdosis (an einer Überdosis wäre er freilich gestorben) und verspürte von da ab, für immer und ohne weitere Zufuhr die Gunst Morpheus’ – so ähnlich wie bei Obelix, der als Kind in den Zaubertrank gefallen war, nur ganz anders. Was sein geographisches Ziel und sein weiteres Vorgehen an sich betraf, ließ unser Held sich einfach treiben. Sein Blick übrigens war sensationell: Die Iris jeweils deutlich nach oben verrutscht, so dass das Weiße darunter viel zu viel Raum einnahm und die Pupillen unveränderbar und stecknadelkopfklein - hätte ein Arzt mit einem Leuchtstab seinen Pupillenreflex testen wollen, er hätte ungläubig die Funktion des Gerätes überprüft. Dem Rest seines Körpers war etwas übel und außerdem juckte es, durch den opiatbedingten Histaminausstoß, hier und da, was er aber (beides) keinesfalls als unangenehm empfand. Probleme und Sorgen gab es nicht, und wenn sie doch einmal bewusstseinsfähig werden würden, würde er sie einfach in eine Schublade - quasi mit der Aufschrift „bitte nie wieder dran erinnern!“ – stecken können. Statt sich also sinnlos zu grämen, erfuhren ihn geniale Erkenntnisse ala „Ich werde im Laufe meines Lebens sicher noch unzählige Menschen auf die unaussprechlichste Weise misshandeln und töten, aber einer wird ganz sicher nicht darunter sein: Helmut Berger1!“ oder „Das Leben ist doch immer dann am schönsten, wenn es nicht auf die herkömmliche Weise stattfindet.“ Er fühlte sich so relaxt wie ein aufblasbarer Ball, aus dem ununterbrochen die Luft gelassen wird. Gelegentlich, weil jetzt wieder Ordnung im synaptischen Spalt herrschte, gönnte sich sein Organismus sogar den Luxus des Schlafs, weshalb Franky beim Laufen hin und wieder kurz wegnickte. In der Regel wurde er aus einem derartigen Zustand durch etwaige Hindernisse wie Bordsteinkanten, Fahrradständer oder Hydranten schnell wieder geweckt. Oder, wie in diesem Fall, durch das laute und immer wiederkehrende blecherne Geräusch, dass eine Dose A&W Root Beer verursachte, auf die er offenbar getreten war und die nun an seinen Biker-Stiefeln haftete. Nachdem er sie schließlich entfernt und den sich darin befindlichen Rest getrunken hatte, bemerkte er, dass er sich in einem wunderschönen Vergnügungspark befand. „Welcome to Conney Island, New York“ verhieß ein großes hölzernes Schild und ein schwarzer freundlicher Mann in lustigen Klamotten - wahrscheinlich der Besitzer - empfing den sympathischen Knilch mit den Worten „Happy Birthday Dude!“ Er überreichte ihm einen Strauß Luftballons und teilte ihm erfreut mit, dass er alle Attraktionen und natürlich auch die Burgerbude an der Ecke umsonst nutzen könne – und zwar die ganze Nacht. Franky war völlig aus dem Häuschen vor Freude, sprang dem – ja wem eigentlich? - um den Bauch, drückte ihn fest an sich und sagte (in akzentfreiem Newyorkerisch): „Das ist soooooo lieb, ich bin total gerührt. Mir hat noch nie jemand etwas zum Geburtstag geschenkt, höchstens eine Trachtprügel. Vielen vielen Dank.“ „Kein Akt, Mann. Wenn’s Probleme gibt, frag’ einfach nach Shaft Stallone von den Warroirs. Das bin ich und ich regle hier alles.“ „Okidoki, mach ich, Shaft“. Frankys erste Amtshandlung als Ehrenbürger Conney Islands galt der Nahrungsaufnahme in Annies Diner. Als Gruß aus der Küche brachte die stets auf Rollschuhen servierende Chefin ein Glas Milch und reichlich Oreo-Kekse. Danach folgte ein Hot Dog mit Sauerkraut und Senf und ein Triple Bacon-Cheese-Burger-Deluxe 1983. Zum Nachtisch: ein Riesenglas Root Beer, garniert mit drei Kugeln Vanilleeis. Im Radio lief der aktuelle Top Hit Hounted House of Rock von Whodini, was Franky außerordentlich gut gefiel und ihn letztlich dazu veranlasste, sich in Richtung des ersten Fahrgeschäfts – der Geisterbahn2 – aufzumachen. Nachdem er Dantes Inferno mit einer gehörigen Portion Gänsehaut durchlebt hatte, fuhr er mehrmals mit dem Cyclone, der – wie er fand – schönsten Holzachterbahn der Welt. Vor dem großen Drop, dem eine kurze Schwerelosigkeit folgte, warf er die Hände in die Luft und schrie so laut er konnte. Fast so laut wie der Rauhaardackel der Zuckerwatteverkäuferin, den er sich „geliehen“ hatte und den er – na ja – Gassi an langer Leine hinter sich herführte. Am besten aber gefiel ihm das Wonder Wheel, ein komplett vergittertes Riesenrad mit schwingenden Kabinen, die er ausnahmslos mit seinem Kettensägenschlüsselanhänger ansägte. In einer Schießbude – und das war auch ganz nett - gewann er unter Einsatz seines eigens zu solchen Zwecken mitgeführten Sturmgewehrs den Hauptpreis in Form eines kabelferngesteuerten R2D2-Roboters. Ausgepowert aber glücklich entspannte er sich videospielend und auf Cola-Kisten stehend mit Amidar, Joust und Moon Patrol3, um zur sogenannten Krönung am ultraseltenen und riesengroßen Hercules von Atari zu flippern. Schließlich, zum Ausklang der gelungenen Sause, besuchte er die berühmt-berüchtigte Freak Show, wo ein Mann ohne Arme und Beine es doch tatsächlich fertig brachte, sich ALLEINE eine Zigarette anzuzünden. „Wenn ich einen Vergnügungspark entwerfen dürfte“, sagte Franky später, als er mit Shaft und seinen Jungs am Strand chillte und auf den Sonnenaufgang wartete „dann würde ich auf jeden Fall auch eine Mischung aus Fahrgeschäft und Losbude bauen.“ „Yeah. Fahrgeschäft und Losbude!“, bestätigte Shaft. „Fahrgeschäft und Losbude! Fahrgeschäft und Losbude! Fahrgeschäft und Losbude!“, rief nun die ganze Gang. Franky, um den mittlerweile alle gespannt im Kreis angeordnet saßen, beschwichtigte die Menge und fuhr fort: „Naja, man könnte zum Beispiel einige sich zuspitzende Tunnel bauen, die fast senkrecht und gut ausbetoniert nach unten verlaufen. Etwa so 10 Meter tief. Die Fahrgeschäftkomponente wäre dann das In-den-Tunnel-hineinspringen von sagen wir 8 Mitspielern. Losbudentechnisch wiederum würde dann der, der alle anderen überlebt von den besten Unfallchirurgen der Stadt wieder zusammengeflickt. Kostenlos und ganz unbürokratisch. Ich meine bei Euerm Krankenversicherungssystem ist das doch wohl ein Hauptgewinn!“ „Spitze Tunnel, Spitze Tunnel, spitze Tunnel...“, brüllten nun alle dermaßen frenetisch und enthusiastisch, das Hitler, dessen größte Leidenschaft neben der Landschaftsmalerei stets die Begeisterung der Massen war, vor Freude geweint hätte. Lange noch vergnügte sich Franky derartig oder ähnlich mit seinen neugewonnenen Freunden/Fans und – of course – diese mit ihm. Ein vielleicht noch erwähnenswertes Highlight dieser Nacht war sicher die selbstgebastelte neunschwänzige Butterflykanüle, die es dem Knirps ermöglichte, sich selbst mit einer Kanüle aus seinem prall damit gefüllten Patronengürtel einen zentralen Zugang zu legen und via neun weiterer Schläuche (aus Annies Cola-Zapfanlage) ein paar der harten Jungs an seinen Blutkreislauf anzuschließen, um sie kognitiv ein bisschen auf Trab zu bringen. Es war für diejenigen, die den Trip überlebten – wie man sich vorstellen kann - ein Rausch allererster Kajüte: Einige begannen Tunnel zu graben, andere versuchten mit ihren Ellebogen ihre eigene Kinnspitze zu berühren und wieder andere lagen mit dem Gesicht zum Erdinnersten gewand, um dieses stundenlang und irgendwie transzendental zu betrachten. Annie – und das ist vielleicht noch wichtig – zeigte Franky derweil, dass es für Sex in seinem Alter keineswegs zu früh war sondern dass es dazu eigentlich nur ein paar prallen Möpsen, einer flinken Zunge und einem großen Fläschchen Poppers bedarf. So gegen 8 AM jedenfalls nickte unser Held so wie Gott ihn schuf da ein, wo Elvis gestorben war: auf dem Klo. Sechs Zeitzonen westlich also sieben Stunden später (Sommerzeit) und wieder im Jahre 2001 fand er sich auf einem Schaukelpferd im Tivoly-Vergnügungspark in Kopenhagen wieder. Nur mit Annies viel zu großen Rollschuhen bekleidet und irgendwie sehr befriedigt. „Wow. Ganz schön was los! Ich schätze hier werde ich ganz relaxed den Rest meines Geburtstages angehen.“, dachte der Rückkehrer und startete mit 3 Carlsberg, einer Zuckerwatte und einem knusprigen Hähnchen von Broiler-Lars erneut durch. Von Lars lieh er sich übrigens unter der fahnenschneidigen Ausrede, er wolle sich die Fußnägel zur Feier des Tages schneiden noch schnell eine Geflügelschere. Er brauchte das Utensil, z.B. um die Balken einiger Fahrgeschäfte zu stehlen und diese dann unauffällig gegen morsche Stützen auszutauschen. Oder um hübschen jungen Däninnen einen Strauß Blumen von den Wiesen zu zwacken und diesen diesen dann für alle gut sichtbar erregt zu überreichen. War die Schere nicht in Gebrauch, verstaute er sie so gut es ging in nunmehr seinen Rollschuhen. Zum Beispiel wenn er mit dem Monsoon, dem Odin Express, dem Dragon oder dem Demon fuhr. Oder in der Spielhalle, in der er zwar schmerzlich die guten alten Klassiker vermisste, dafür aber auf einen anderen alten Bekannten stoßen sollte: Helmut! Offiziell hieß er nun Jürgen und wechselte Geld. In Wahrheit verkaufte er natürlich Dope an die Kids. Gestrecktes. „Oh, äh, hallo Franky! Ich hab Dich überall gesucht Mann. Wo warst Du denn? Ich hab mir schon Sorgen gemacht.“ „Ich war in New York. Ich würde sagen, Du schuldest mir noch was!“ „Klaro. Ich hab’s jetzt gerade nicht dabei aber ich kann’s Dir später geben.“ „Wann?!“ „Wie wär’s um 19 Uhr im Funhouse? Oder lieber im Valhalla Castle?“ „Im Funhouse!“ „OK, 19 Uhr im Funhouse. Alles klar. Doof gelaufen alles... aber ich hab Dich überall gesucht...“ „Kein Problem. 19 Uhr im Funhouse! Bis dann“. Bis zum Showdown war also noch Zeit. Zeit, die Franky eher besonnen als passiver Rezipient verbrachte (die Ruhe vor dem Sturm). Er ging ins Pantomime-Theater, in dem sich Harlekin, Columbine und Pierrot ein Stelldichein gaben und bewunderte danach lässig auf einer Bank liegend - und nahtlos braun werdend - die Sommer-Parade der Tivoly Boys-Garde. Kurz vor 19 Uhr und nach einem leckeren süßsauren Gurkensalat begab er sich endlich ins Funhouse, einer Art Abenteuerspielplatz mit wackelnden Böden, riesigen sich drehenden Laufrädern und abgefahrenen Klettergerüsten. Er war allein in den unübersichtlichen Räumen und vertrieb sich die Zeit mit Rollschuhlaufen in den Laufrädern als plötzlich: „Franky? Ich bin’s Peter. Ähh, ich hab alles dabei. Also von mir aus könnten wir dann eigentlich. Es gibt da nur ein klitzekleines Problem. Naja, wie soll ich sagen? Ich hab nur eine Probe dabei. Ich bekomme das Zeug ja nicht auf Kommission, sondern muss dafür zahlen. Du hast mir zwar Geld gegeben, aber... na ja meine Mutter ist gestorben und... Du weißt schon... wegen der Beerdigung. Aber das was ich dabei habe, ist absolut reiner Stoff. Da kann man mir schon glauben.“ „Hey Helm... ähh Peter, mach Dich nicht heiß. Komm hier rüber zur Wackelbrücke und dann teste ich das Pülverchen mal an. Wenn’s gut ist, kaufe ich gleich eine größere Menge. Dir kann ich ja schon vertrauen.“ Der Jugoslawe kam. Franky probierte, spürte selbstverständlich nichts von der vermutlich zum Großteil aus Milchzucker bestehenden Substanz, mimte aber dennoch Begeisterung: „Geilo, Geilo, Geilo. Macht was her. Ich hab Geburtstag. Komm wir tollen ein bisschen rum!“ „OK Franky. Das machen wir. Wir tollen rum!“, antwortete Helmut/Jürgen/Peter erleichtert und schaute dabei in etwa so, wie ein Italowestern-erprobter Mexikaner, der das Geschäft seines Lebens wittert. Sie kletterten und rannten und sprangen, dass es nur so eine Freude war. Und einmal als der Mann mit den vielen Namen vor Franky jubelnd über einen wackelnden Boden lief, trat Franky ihm ganz unverhofft in die Kniekehlen, schnappte sich blitzschnell die Schere und hielt sie leicht geöffnet gegen den entgegenkommenden Rücken. Als dieser die Schere zwangsläufig berührte, drang das eine Scherenblatt links der oberen Wirbelsäule und das andere entsprechend rechts ein. Butterweich. Dann schloss sich die Schere und der in Killerkreisen als Rückgratknipser bekannte Finishing Move war erfunden. Zu diesem historischen Zeitpunkt, der das krönende Ende unserer Geschichte einerseits und ein Plädoyer für süßsauren Gurkensalat andererseits darstellt, war Stanley Kubrick schon 2 Jahre tot.


Indizien für den tatsächlich stattgefundenen drogeninduzierten Zeitreisetrip Franky Houls: 1Helmut Berger lebt! 2In der linken oberen Innenseite des Wagens Nummer 7 der Geisterbahn findet sich ein mit Blut geschriebener Eintrag: „Es wird keinen zweiten Teil von E.T. geben. Aber im Jahre 2002 soll es angeblich eine politisch korrekt überarbeitete Version geben, in der E.T. und Elliot von Beamten verfolgt werden, die Walkie-Talkies statt Waffen in der Hand haben.“ Würde man das Blut nun analysieren, würde man feststellen, dass es zwar nicht Franky gehört, aber etwa 23 Jahre alt ist. 3Der Automat steht noch immer in besagter Spielhalle. Ausrangiert, ausgeschaltet und mit dem „Gesicht“ zur Wand. Dreht man ihn jedoch um und schaut aufmerksam auf den Bildschirm, stellt man fest, dass sich dort der High Score 874250 eingebrannt hat. Das ist exakt die Punktzahl, die Franky seinerzeit erreicht hat!


Rabenfamilie

Als ob ich es als Einzelkind nicht schon schwer genug hätte. Nun lässt meine Rabenmutter auch noch ihren ohnehin total verwahrlosten Enkel verkommen.


Erkenntnis

Aus objektiver Sicht finde ich, sie sollte diesen Kerl endlich verlassen. Subjektiv gesehen kann ich mir das nicht antun.


Stromspartipp

Da das Premiere-Abo und die Miete für den entsprechenden Decoder immer teurer wird, kompensiere ich diesen Verlust durch Stromsparen. Ich lasse den Fernseher zum Beispiel immer öfter aus.


Permanente fünfte Jahreszeit

Zufällig gelangten wir neulich auf eine sogenannte Schnäppchenmeile in Berlin-Neuköln. Während ich dringend daran interessiert war, den Weg zurück in die Zivilisation zu suchen, blieb meine Freundin wiederholt vor den Auslagen von Textilfachgeschäften stehen und rief kindlich erfreut und für jeden gut hörbar Dinge wie „Schau mal: Faschingskostüme!!!“ oder „Au ja: Nächstes Jahr verkleiden wir uns auch mal wieder“. Um unnötige Ernüchterung ihrerseits zu vermeiden, ließ ich sie in dem Glauben, es handle sich tatsächlich um Spaßkostüme und antwortete „Jaja, hier ist das ganze Jahre über Fasenacht.“


Kein Stress!

Tipp für gestresste Selbstständige: Stundenlöhne verdreifachen, dann muss man nicht mehr so viel arbeiten.